Freitag, 17. Juni 2022

Kleinbäuerliche Landwirtschaft schützen! Supermarkt stoppen!

Auf dem Nußlocher Schafhof im Norden Nußloch gibt es 200 Suffolk-Schafe, Milchschafe, Lämmer, Zuchtböcke, Hütehunde und Galloway-Rinder. Es ist eine kleinbäuerliche Landwirtschaft, wie man sie nur noch selten findet. Ein „Supermarkt Nord“ würde den Existenzdruck auf den Betrieb erhöhen. Während sich zum Beispiel die Landes-FDP klar zum Schutz von Schäfereien bekennt, wird das Supermarktprojekt trotzdem weiter vorangetrieben.

Schafe zu halten, hat in Deutschland eine jahrhundertelange Tradition. Entsprechend sind Schäfereibetriebe auch heute noch aus unserer Kulturlandschaft kaum wegzudenken. Es gibt bundesweit noch etwa 900 hauptamtliche Schäfereien, die allerdings zunehmend wirtschaftlich unter Druck stehen. Die unzureichende Honorierung für die Landschaftspflege, der hohe Arbeitsaufwand, der Preisdruck auf Lammfleisch- und Wollerlöse durch Importware, die Beschneidung von Futterflächen sind einige Herausforderungen für die Schäferei. Wir können also sehr stolz darauf sein, eine Schäferei, die mit Leidenschaft betrieben wird, vor „unseren Toren“ zu haben.

Die Beweidung durch Schafe (und Ziegen) dient dabei nicht nur der Landschaftspflege. Sie dient auch dem Gewässer-, Trinkwasser- und Erosionsschutz und insbesondere der Artenvielfalt. Der Artenreichtum wird durch den Verbiss von Gräsern und Kräutern (intakte Grasnarbe und Bodenflora) als auch durch die natürliche „Verteilfunktion“ begünstigt, da Schafe in ihrem Fell Pflanzensamen und Kleintiere (z. B. Insekten) von Fläche zu Fläche transportieren.

Unser Nußlocher Schafhof der Familie Wagner betreibt eine standortgebundene Hütehaltung, d. h. die Suffolk-Schafe werden im Frühjahr, Sommer und Herbst in der Natur geweidet und nur im Winter aufgestallt. Es ist ein Selbstversorgerbetrieb, der die umliegenden Grünflächen als Weidefläche nutzt und seine Futtermittel ohne jeglichen Einsatz von Düngemitteln und Herbiziden selbst erzeugt. Weideland ist für den Betrieb unersetzbar. Im von der Supermarktbebauung bedrohten Gewann „Steinäcker“ nutzt er 10.000 m2. Der Verlust der Weidefläche würde in vielerlei Hinsicht den Existenzdruck auf den Betrieb erhöhen. Die Schäferei wäre gezwungen, entweder die Anzahl der Tiere um 10-15% zu reduzieren oder die Stallhaltungstage für die Tiere zu erhöhen bzw. einzelne Gruppen nur noch komplett im Stall zu halten. Dazu Schäfer Alexander Wagner: „Letzteres kommt für mich aber nicht in Frage, da es der natürlichen Haltungsform sowie dem Tierwohl widerspricht.“

Bei einer Zufütterung durch verstärkte Stallhaltung würde zudem Futtermittel (Heu, Silage und Getreide) für die Winterfütterung fehlen. Dieses müsste dann extern teuer zugekauft oder per eigener Futterernte sehr arbeits-, kosten- und energieintensiv herangeschafft werden.

Eine heranrückende Bebauung an den Schafshof zieht weitere negative Auswirkungen nach sich. Dazu gehören die Beeinträchtigung der Haltetiere durch durchgängiges Abend- bzw. Nachtlicht vom angrenzenden Supermarktareal und der fortlaufende An-/Abfahrtsverkehr (Großparkplatz).

Der Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg hat nun im vergangenen Jahr klargestellt, dass agrar- und umweltpolitische Signale und Entscheidungen („Taten statt Lippenbekenntnisse!“) die einzigen Chancen sind, der Branche und den nachfolgenden Generationen verlässliche Perspektiven zu liefern und die Schafhaltung zu erhalten. Er hat dazu am 14. März 2021 allen im Landtag vertretenen Parteien Fragen zur Zukunft der Schäferei gestellt („Welche Möglichkeiten sieht die Fraktion, die Schäferei in Baden-Württemberg zu verbessern und die Zukunft der Schäfereibetriebe zu sichern?“). Wir möchten uns dabei auf die Antwort der Landes-FDP beschränken:

„Wir Freie Demokraten sind dankbar um die Arbeit aller Nutztierhalter, die durch Beweidung zu unserer vielfältigen Landschaft in Baden-Württemberg beitragen. Nur durch eine Bewirtschaftung und durch tierhaltende Betriebe können wir die Kulturlandschaften, wie wir sie in Baden-Württemberg haben, erhalten. Nur wenn sich die Schäferei auch wirtschaftlich lohnt, wird sie eine Zukunft haben. Und nur dann bleibt uns auch unsere wundervolle Kulturlandschaft erhalten. Die Schäfer sind wichtige Partner des Naturschutzes. Wir Freie Demokraten bekennen uns klar zur Schafhaltung in Baden-Württemberg und werden uns dafür einsetzen, dass die Schafhaltung in der Landwirtschaftspolitik die angemessene Berücksichtigung bekommt.“

Es wäre schön, wenn sich auch die Fraktionen im Nußlocher Gemeinderat so eindeutig bekennen würden.

Eure engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürger von Nußloch intakt e. V.

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